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Wasserturm Zossen – Gerichtsstraße

Autor: Carsten Preuß

Der Wasserturm am östlichen Ortsausgang von Zossen gehört zu den markanten technischen Bauwerken der Stadtgeschichte. Er wurde im Jahr 1899 von der „Helios“ Electrizitäts-Actien-Gesellschaft Köln-Berlin errichtet. Die Planung stammte vom in Berlin tätigen Ingenieur David Grove, der zuvor unter dem Architekten Paul Wallot am Bau des Reichstagsgebäudes beteiligt war.

Das Grundstück hatte die Stadt Zossen bereits um 1898 erworben. Neben dem Wasserwerk und dem Wasserturm entstand auf dem Gelände im selben Jahr auch ein Elektrizitätswerk.

Bereits wenige Jahre später konnte dieses erste Elektrizitätswerk den steigenden Strombedarf nicht mehr decken. Deshalb errichtete die Helios AG um 1910 ein neues Elektrizitätswerk am Nottekanal. Das alte Werk an der heutigen Gerichtsstraße ging anschließend wieder in das Eigentum der Stadt über und wurde als Wohngebäude genutzt, bevor es schließlich abgerissen wurde.


Historische Ansichten

 

Wasserturm Zossen mit Elektrizitätswerk, um 1904/05.

Historische Postkarte.

Wasserturm Zossen mit Elektrizitätswerk um 1903/05.

Historische Postkarte 1903


Architektur und Bauweise

Der Wasserturm ist etwa 23 Meter hoch und diente bis 1994 der öffentlichen Wasserversorgung der gesamten Stadt Zossen.

Der Turm besitzt einen runden, massiven Schaft aus rotem Ziegelmauerwerk, der sich nach oben leicht verjüngt. Acht senkrechte Lisenen strukturieren die Fassade. Zwischen ihnen befinden sich kleine flachbogige Fenster, die dem Turm sein charakteristisches Erscheinungsbild verleihen.

Im oberen Bereich des Turms befinden sich schmale schlitzartige Öffnungen, die in ein abschließendes Konsolgesims übergehen. Darauf sitzt der ebenfalls runde Turmkopf.


Der Turmkopf und der Wasserbehälter

Für die Behältereinhausung wurde eine Monierwand aus Stahlbeton verwendet – eine Bauweise, die damals als moderne Alternative zum üblichen Rabitzputz (Drahtputz) galt. Dabei wurden die Stahlstützen des Wasserbehälters mit einer Eisenfachwerkkonstruktion verbunden.

Der Turmkopf ist außen hell verputzt und bildet damit einen starken Kontrast zum roten Ziegelmauerwerk des Turmschaftes sowie zum dunklen Kuppeldach.

Das Dach ist eine laternenbekrönte Kuppel, die mit Dachpappe gedeckt wurde.

Im Inneren befindet sich ein offener Barkhausenbehälter mit einem Fassungsvermögen von 200 m³.
Die Last des Behälters wird über senkrechte eiserne Stützen auf eine Auflagekonstruktion aus Stahlring übertragen, die auf der Mauerkrone des Turmschaftes ruht.

Eine hölzerne Treppe führt bis zum unteren Rand des Behälters. Der Behälterraum selbst ist mit einer Stahlleiter ausgestattet.


Der Wasserturm im Wandel der Zeit

 

Wasserturm Zossen im Jahr 1979.

Wasserturm Zossen im Jahr 2024.

Der Wasserturm blieb fast ein Jahrhundert lang Teil der städtischen Infrastruktur. Erst 1994 wurde seine Funktion für die öffentliche Wasserversorgung aufgegeben. Heute ist er ein wichtiges technisches Denkmal der Stadt Zossen und erinnert an die Entwicklung der kommunalen Wasser- und Energieversorgung um die Wende zum 20. Jahrhundert.


Quelle

Gutachterliche Stellungnahme zum Denkmalwert, Beurteilung des Denkmals, Wasserturm Gerichtsstraße in Zossen, Marie-Luise Buchinger, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum, 17. Januar 2005. Abbildungen und Fotos: Sammlung Carsten Preuß.